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Renata Rollfinke
Verlegerin

quotHeute bin ich anders - meine mentale Wendequot von Susanne Luger - ISBN 978-3-902715-51-7

"Heute bin ich anders - meine mentale Wende" von Susanne Luger - ISBN 978-3-902715-51-7

€ 16,10 inkl. UST€ 14,64 exkl. UST

Susanne Lugers Buch will nicht so recht in eine literarische Ka­te­go­rie passen. Was ist es: eine Autobiographie, ein Ratgeber Buch oder ein Er­fah­rungs­be­richt?  Am ehesten wohl Letzteres.

Sie hat viel erlebt: Krebs, Nierentransplantationen, Wir­bel­säu­len­er­kran­kung, jahrelange Dialyse, Be­täu­bungs­mit­tel­ab­häng­ig­keit. Und trotzdem ist ihr Buch kein Krankenbericht, keine Betroffenheitsliteratur. Im Plauderton führt sie den Leser durch die Stationen ihres (bis­he­ri­gen) Lebens. Die Krankengeschichte nimmt darin zwar einen großen Platz ein, aber sie dominiert nicht. Dies mag überraschen, zumal jede Buch­sei­te Aspekte der Er­kran­kungen beinhaltet. Doch im Wesentlichen geht es um zwei erschreckend normale Themen:   Liebe und Kommunikation.

Luger ist kein Übermensch. Sie macht Fehler, ist ungerecht zu ihrem Umfeld. Auch ist sie nicht dreimal den Iron Man gelaufen oder hat durch irgendein Wundermittel ihr Leiden überwunden – so ganz anders als all die Autoren, die so bravourös mit ihrer Erkrankung umgehen, dass man beim Lesen nur Schuldgefühle bzw. heimliche Schadenfreude beim Scheitern des Protagonisten empfinden kann. In einfacher, eindringlicher Sprache stellt sich die Autorin dar. Es ist kein auf klinische Reinheit und Hit - Tauglichkeit durchgestyltes Werk, das letztendlich in Hochglanzoptik eine „Ich – hab's – geschafft – Ideologie“ verbreitet. Im Gegenteil: das Ende ist ungewiß, die Autorin ist in ihrer Menschlichkeit gefangen, wohl aber wieder positiv motiviert und frohen Mutes. Sie ist einfach sie selbst. Das sind die stärksten Stellen des Buches, die Stellen an denen Susanne uns ungefiltert teil haben lässt an ihren Gefühlen und Gedanken. Hier erlangt das Buch sofort eine unglaubliche Tiefe, berührt den Leser, weckt in ihm das Gefühl mehr wissen zu wollen. Aber Sie will nicht alles zeigen, will sich Scham und Respekt vor der eigenen Person bewahren, will weiterhin das Recht haben, sich selbst etwas vormachen zu dürfen. Echte Helden gibt es nur in Hollywood-Blockbustern.

Und was nimmt der Leser mit?

Der Leser hofft darauf in Zukunft zu erfahren, wie das weiter gegangen ist, hofft auf ein Happyend mit Johannes und Christoph. Nimmt vielleicht mit, dass es weniger darum geht, ein Problem lösen zu können um glücklich zu werden, sondern dass es reichen kann, zu lernen mit dem Problem zu leben. Dass es im Sinne Paul Watzlawicks wichtig ist, das Gute im Schlechten zu finden und dabei zu wissen, dass  Rück­schlä­gen lauern. In Krisenzeiten mag das Buch zeigen, dass niemand alles richtig machen kann und die Erwartung von Wundern eine schlechte Basis für die eigene Lebensplanung ist.

Die Botschaft lautet: den passenden Weg muß jeder für sich selbst finden und immer wieder neu definieren. Sehr positiv sind dabei die kurzen, meist nur drei bis fünf Seiten umfassenden Kapitel des Buches. Sie lassen Raum, das Buch zur Seite zu legen und sich kurz zu überlegen, wie man die letzten Ausführungen Lugers fand. Ob man ihr zustimmt, sich über sie ärgert oder empathisch mitfühlt. Und plötzlich ertappt man sich dabei das Buch wieder zur Hand zu nehmen, einfach um noch das nächste Kapitel zu lesen, zu erfahren, wie diese Frau jetzt weiter macht. Das vorliegende Buch ist kein perfektes Buch: es ist voller Irrationalismus, voll von halb ausgelebten und ausgesprochenen Gefühlen, selbst ver­ord­ne­ten Denkstopps und nicht ohne stilistische Holpersteine und wirkt genau dadurch beim Leser, der spürt, dass hier ein echter Mensch seine echte Geschichte in voll subjektiver Art und Weise darstellt. Wir sind alle nicht perfekt, in der heutigen Zeit eine wichtigere Botschaft denn je – und Susanne Luger spiegelt uns das!

Dipl.-Psych. Sebastian Bartoschek,freiberuflicher Dipl. Psychologe und Journalist, Herne, Nordrhein-Westfalen